Die Haut begleitet einen Menschen ein Leben lang. Sie schützt vor äußeren Einflüssen, reguliert Wärme, nimmt Berührungen wahr und ist gleichzeitig etwas sehr Persönliches. Mit zunehmendem Alter verändert sie sich jedoch. Sie wird dünner, trockener und empfindlicher, kleine Verletzungen entstehen leichter und benötigen häufig mehr Zeit, um wieder abzuheilen.
Für pflegende Angehörige sind diese Veränderungen oft zunächst unscheinbar. Vielleicht klagt die Mutter häufiger über Juckreiz. Der Vater bekommt plötzlich blaue Flecken, obwohl er sich an keinen Stoß erinnern kann. An den Schienbeinen wird die Haut schuppig, an den Armen entstehen kleine Einrisse oder eine Stelle bleibt gerötet, obwohl dort eigentlich nichts Besonderes geschehen ist.
Solche Beobachtungen sollte man ernst nehmen, ohne bei jeder trockenen Hautstelle gleich beunruhigt zu sein. Gerade bei älteren Menschen lohnt es sich, die Haut regelmäßig anzusehen und Veränderungen nicht erst dann wahrzunehmen, wenn bereits eine Wunde entstanden ist.
Mit den Jahren verändert sich der Aufbau der Haut. Sie kann weniger Fett und Feuchtigkeit speichern, ihre natürliche Schutzfunktion nimmt ab und das Gewebe verliert an Elastizität. Gleichzeitig wird die Haut dünner und reagiert empfindlicher auf Reibung, Druck, Wärme oder ungewohnte Pflegeprodukte.
Das erklärt, warum ein älterer Mensch plötzlich eine Creme nicht mehr verträgt, die er viele Jahre benutzt hat, oder warum heißes Duschen, das früher angenehm war, anschließend starkes Spannungsgefühl und Juckreiz verursacht.
Auch kleinere Stöße können schneller sichtbare Spuren hinterlassen. Besonders an Händen, Unterarmen und Schienbeinen ist die Haut vieler hochbetagter Menschen so empfindlich, dass bereits unvorsichtiges Festhalten, das Anstoßen an eine Möbelkante oder das Entfernen eines Pflasters kleine Verletzungen verursachen kann.
Eine gute Hautpflege im Alter beginnt deshalb nicht mit möglichst vielen Produkten. Sie beginnt mit einem aufmerksamen und behutsamen Umgang mit der Haut.
Viele Menschen haben über Jahrzehnte feste Gewohnheiten bei der Körperpflege entwickelt. Täglich lange und heiß zu duschen oder stark schäumende und parfümierte Produkte zu verwenden, kann für ältere Haut jedoch zunehmend belastend werden.
Lauwarmes Wasser wird häufig besser vertragen. Milde, hautschonende Waschprodukte können helfen, die natürliche Schutzbarriere weniger stark zu belasten. Nach dem Waschen sollte die Haut vorsichtig abgetrocknet und nicht kräftig abgerieben werden.
Besonders trockene Bereiche können von einer regelmäßig angewendeten, gut verträglichen Pflege profitieren. Dabei muss nicht möglichst viel aufgetragen werden. Entscheidend ist vielmehr, ein Produkt zu finden, das der ältere Mensch gut verträgt und das zu seinem Hautzustand passt.
Wenn nach einer neuen Creme Brennen, Rötung, verstärkter Juckreiz oder andere Beschwerden auftreten, sollte das Produkt zunächst nicht weiter verwendet und bei anhaltenden Beschwerden ärztlicher Rat eingeholt werden.
Trockene Haut gehört zu den häufigen Ursachen für Juckreiz im Alter. Trotzdem sollte anhaltender oder ausgeprägter Juckreiz nicht automatisch damit erklärt werden.
Hauterkrankungen, allergische Reaktionen, Infektionen, Medikamente und auch verschiedene körperliche Erkrankungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Besonders dann, wenn sich ein älterer Mensch ständig kratzt, die Haut bereits verletzt ist, der Juckreiz nachts sehr stark wird oder zusätzlich andere Veränderungen auftreten, sollte der behandelnde Arzt oder ein Hautarzt einbezogen werden.
Für Angehörige ist es hilfreich, darauf zu achten, wann der Juckreiz besonders stark auftritt. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Duschen, einer bestimmten Creme, neuer Kleidung oder einer Medikamentenumstellung? Solche Beobachtungen können dem Arzt bei der Einordnung helfen.
Wer bei der Körperpflege unterstützt, hat eine gute Möglichkeit, Veränderungen früh wahrzunehmen. Das bedeutet nicht, jeden Zentimeter Haut täglich zu untersuchen. Es bedeutet vielmehr, mit offenen Augen durch die Pflege zu gehen.
Ist eine Stelle neu gerötet? Gibt es einen kleinen Einriss? Hat sich ein Muttermal auffällig verändert? Ist eine Wunde nach mehreren Tagen noch immer unverändert? Ist die Haut zwischen den Zehen aufgeweicht oder gerötet? Entsteht an einer Körperstelle plötzlich eine ungewöhnliche Schwellung?
Solche Veränderungen fallen häufig zuerst im Alltag auf.
Gerade ältere Menschen bemerken manches selbst nicht mehr. Die Sehkraft kann eingeschränkt sein, die Beweglichkeit reicht möglicherweise nicht mehr aus, um Füße, Rücken oder andere Körperbereiche selbst anzusehen, und bei einer Demenzerkrankung werden Beschwerden nicht immer eindeutig benannt.
Deshalb kann eine aufmerksame Begleitung sehr wertvoll sein.
Menschen, die viel sitzen oder liegen, haben ein erhöhtes Risiko für Druckschäden der Haut. Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen, beispielsweise Fersen, Ellenbogen, Kreuzbein, Hüften oder bestimmte Bereiche des Rückens.
Eine Rötung, die nach Entlastung nicht wieder verschwindet, sollte nicht einfach eingecremt und vergessen werden. Sie kann ein frühes Warnzeichen dafür sein, dass das Gewebe bereits unter zu starkem Druck steht.
Bei bettlägerigen oder stark bewegungseingeschränkten Menschen ist es deshalb besonders wichtig, Druckstellen regelmäßig zu beobachten und geeignete Maßnahmen zur Entlastung mit den beteiligten Pflegefachpersonen oder dem behandelnden Arzt abzustimmen.
Welche Lagerung, Hilfsmittel oder Matratze im Einzelfall sinnvoll sind, lässt sich nicht pauschal beurteilen. Gerade hier sollte nicht nach allgemeinen Internetempfehlungen gehandelt werden, wenn bereits auffällige Hautstellen vorhanden sind.
Eine winzige Hautverletzung sieht zunächst vielleicht harmlos aus. Bei einem älteren Menschen kann sie dennoch besondere Aufmerksamkeit benötigen.
Die Wundheilung kann verlangsamt sein, und bestimmte Erkrankungen oder Medikamente können zusätzlich beeinflussen, wie schnell sich die Haut erholt. Deshalb lohnt es sich, kleine Verletzungen sauber zu versorgen und in den folgenden Tagen darauf zu achten, ob sie tatsächlich abheilen.
Zunehmende Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerzen, Nässen, Eiter, unangenehmer Geruch oder eine sich vergrößernde Wunde gehören ärztlich beurteilt.
Auch Wunden, die über längere Zeit nicht heilen, sollten nicht immer wieder nur zu Hause weiterbehandelt werden. Gerade bei älteren Menschen ist es wichtig, die Ursache zu kennen.
Die Füße werden bei der täglichen Pflege leicht übersehen, obwohl sie besonders belastet sind. Trockene Fersen, Druckstellen, eingewachsene Nägel, kleine Verletzungen zwischen den Zehen oder schlecht sitzende Schuhe können im höheren Alter schnell unangenehm werden.
Wer nicht mehr beweglich genug ist, um seine Füße selbst gründlich anzusehen, bemerkt kleine Verletzungen möglicherweise erst spät.
Deshalb sollte bei der Unterstützung im Alltag auch darauf geachtet werden, ob Schuhe drücken, Nägel Probleme bereiten oder sich Rötungen, Blasen oder andere Hautveränderungen entwickeln.
Bei Durchblutungsstörungen, Diabetes oder schlecht heilenden Wunden ist besondere Vorsicht notwendig. Veränderungen an den Füßen sollten in solchen Situationen frühzeitig ärztlich beziehungsweise fachlich beurteilt werden.
Viele Angehörige verbinden trockene Haut sofort mit zu wenig Trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung ist für ältere Menschen wichtig, doch trockene Altershaut hat meist mehrere Ursachen und ist kein verlässlicher Beweis für einen Flüssigkeitsmangel.
Gerade deshalb sollte man nicht versuchen, aus dem Hautzustand allein auf die Trinkmenge zu schließen.
Wenn ein Senior sehr wenig trinkt und zusätzlich deutlich schwächer, schläfriger, verwirrter oder schwindelig wird, gehört das ärztlich abgeklärt. Die passende Trinkmenge kann außerdem bei bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen von allgemeinen Empfehlungen abweichen und sollte dann mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Hautpflege ist nicht nur eine Frage von Cremes, Wasser und medizinischer Beobachtung. Sobald ein älterer Mensch Hilfe beim Waschen, Duschen, Eincremen oder Anziehen benötigt, berührt die Pflege einen Bereich, in dem Selbstständigkeit und Schamgefühl eine große Rolle spielen können.
Ein Mensch, der sein ganzes Leben allein für seinen Körper gesorgt hat, muss sich plötzlich beim Waschen des Rückens helfen lassen. Vielleicht muss jemand beim Duschen dabeibleiben, weil Sturzgefahr besteht. Später wird möglicherweise Unterstützung bei der Intimpflege notwendig.
Für Angehörige kann das selbstverständlich erscheinen, weil sie helfen möchten. Für den älteren Menschen kann dieselbe Situation sehr ungewohnt und beschämend sein.
Deshalb macht es einen großen Unterschied, wie Hilfe angeboten wird.
Wer noch Gesicht, Hände oder Oberkörper selbst waschen kann, sollte dazu die Möglichkeit behalten. Wer Zeit benötigt, sollte nicht aus Ungeduld vollständig übernommen werden. Auch bei notwendiger Unterstützung sollte darauf geachtet werden, die Intimsphäre so weit wie möglich zu schützen und einen Menschen nicht länger als notwendig unbekleidet zu lassen.
Würde zeigt sich bei der Körperpflege oft in sehr kleinen Dingen.
Berührung kann beruhigen und Sicherheit vermitteln. Gleichzeitig ist jede Berührung etwas Persönliches.
Gerade Menschen mit Demenz verstehen möglicherweise nicht sofort, warum jemand plötzlich den Arm anhebt, Kleidung öffnet oder mit einem Waschlappen berührt. Eine gut gemeinte Handlung kann dann als überraschend oder bedrohlich erlebt werden.
Deshalb hilft es, langsam vorzugehen und anzukündigen, was geschieht. Ein einfacher Satz wie „Ich helfe Ihnen jetzt beim Ärmel“ kann einen großen Unterschied machen.
Wer einen Menschen täglich begleitet, lernt mit der Zeit auch, welche Berührungen angenehm sind, wann Nähe gewünscht wird und wann jemand mehr Abstand braucht.
Gute Pflege respektiert diese Signale.
Ein vertrautes Handtuch, die Creme, die seit Jahren benutzt wird, eine bestimmte Reihenfolge beim Waschen oder die gewohnte Tageszeit für die Körperpflege können für einen älteren Menschen wichtiger sein, als Außenstehende zunächst vermuten.
Gerade bei Demenz geben solche wiederkehrenden Abläufe Orientierung. Der Mensch muss nicht jeden Tag neu verstehen, was als Nächstes geschieht.
Deshalb versuchen wir bei Elkine-Seniorenbetreuung nicht, einen vertrauten Alltag ohne Grund neu zu organisieren. Wenn ein Mensch sein Leben lang abends geduscht hat, muss daraus nicht plötzlich eine morgendliche Routine werden, nur weil es organisatorisch bequemer wäre.
Die Betreuung sollte sich, soweit möglich, am Menschen orientieren.
Inkontinenz kann die Haut zusätzlich belasten. Feuchtigkeit, Reibung und häufiger Kontakt mit Urin oder Stuhl können zu Rötungen, Schmerzen und Hautschäden führen.
Gerade hier ist eine sorgfältige, aber sanfte Reinigung wichtig. Häufiges kräftiges Waschen oder Reiben kann die Haut zusätzlich schädigen.
Wenn Haut im Intimbereich dauerhaft gerötet, wund, nässend oder schmerzhaft ist, sollte nicht einfach immer mehr Creme verwendet werden. Die Ursache sollte geklärt und bei Bedarf medizinischer oder pflegerischer Rat eingeholt werden.
Auch ein passendes Inkontinenzmaterial spielt eine Rolle. Produkte sollten regelmäßig gewechselt werden und zur tatsächlichen Situation des Menschen passen.
Manchmal möchten Senioren plötzlich nicht mehr geduscht, gewaschen oder eingecremt werden. Gerade bei einer Demenzerkrankung erleben Angehörige solche Situationen häufig als schwierig.
Druck führt dann selten zu einer guten Lösung.
Es lohnt sich vielmehr, nach dem Grund zu suchen. Ist dem Menschen kalt? Hat er Schmerzen? Schämt er sich? Ist das Badezimmer ungewohnt? Hat er Angst zu stürzen? Versteht er nicht, was gerade geschehen soll? Oder war die Körperpflege zu einem anderen Zeitpunkt bisher immer angenehmer?
Manchmal hilft es, die Situation zunächst zu unterbrechen und später erneut zu versuchen. Manchmal macht ein anderer Ablauf den Unterschied.
Nicht jede Ablehnung bedeutet, dass ein Mensch grundsätzlich keine Pflege möchte. Sie kann ebenso Ausdruck von Angst, Unwohlsein oder Überforderung sein.
Im Pflegealltag sind es selten die spektakulären Maßnahmen, die den größten Unterschied machen.
Es ist das frühe Erkennen einer Rötung, die Beobachtung, dass jemand sich seit einigen Tagen ungewöhnlich stark kratzt, das vorsichtige Abtrocknen empfindlicher Haut, die Entscheidung, eine schlecht heilende Stelle nicht noch eine Woche abzuwarten, oder die Geduld, einen älteren Menschen weiterhin das selbst tun zu lassen, was er noch selbst kann.
Pflegende Angehörige leisten dabei oft weit mehr, als ihnen bewusst ist. Sie schützen nicht nur die Haut. Sie helfen einem Menschen, auch bei zunehmender Hilfsbedürftigkeit ein Stück Selbstständigkeit und persönliche Würde zu bewahren.
Gerade bei der Körperpflege zeigt sich sehr deutlich, ob ein Mensch lediglich versorgt wird oder ob ihm aufmerksam und respektvoll begegnet wird.
Für uns gehört beides zusammen.
Trockene Haut allein ist im Alter häufig und nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Bestimmte Veränderungen sollten jedoch nicht über längere Zeit selbst behandelt oder beobachtet werden.
Anhaltender oder starker Juckreiz, offene oder nässende Stellen, Schmerzen, stärkere Schwellungen, entzündete Hautbereiche, schlecht heilende Wunden, auffällige Verfärbungen oder plötzlich auftretende Hautveränderungen sollten ärztlich abgeklärt werden.
Auch wenn Sie unsicher sind, ob eine Veränderung harmlos ist, ist es sinnvoll, den Hausarzt oder Hautarzt einzubeziehen.
Gerade bei älteren Menschen können Beschwerden mehrere Ursachen haben. Eine frühzeitige fachliche Einschätzung kann verhindern, dass aus einer zunächst kleinen Hautveränderung ein größeres Problem entsteht.
Hinweis:
Unsere Tipps und Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine ärztliche oder medizinische Abklärung. Bei Beschwerden, auffälligen Hautveränderungen, schlecht heilenden Wunden oder Unsicherheiten wenden Sie sich bitte an den behandelnden Arzt oder eine entsprechend zuständige medizinische Fachperson.
Ihre Elke Hanak
Elkine-Seniorenbetreuung
07221 7792240
Seit 25 Jahren begleite ich Senioren und pflegende Angehörige. In meinen Ratgebern möchte ich nicht nur erklären, worauf im Pflegealltag geachtet werden sollte. Mir ist ebenso wichtig zu zeigen, wie sehr gute Pflege von Aufmerksamkeit, Respekt und dem Verständnis dafür lebt, dass hinter jedem Hilfebedarf immer ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte, seinen Gewohnheiten und seinen persönlichen Grenzen steht.