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24 Stunden Pflege - deutsche & deutschsprachige Kräfte.

Deutsche 24 Stunden Betreuung bundesweit – 25 Jahre Erfahrung – zwei gleichbleibende Kräfte


Warum Humor bei Demenz oft mehr bewirkt als Strenge

Wenn ein gemeinsames Lächeln mehr Sicherheit geben kann als die perfekte Erklärung

Es gibt Tage im Zusammenleben mit einem Menschen mit Demenz, an denen die Geduld einfach dünner wird. Die gleiche Frage kommt zum achten oder zehnten Mal, obwohl man sie jedes Mal beantwortet hat. Die Jacke wird wieder ausgezogen, obwohl man eigentlich losfahren möchte. Der Vater besteht darauf, dass er zur Arbeit müsse, obwohl er seit vielen Jahren im Ruhestand ist, oder die Mutter ist überzeugt, jemand habe ihre Handtasche versteckt. Wer solche Situationen täglich erlebt, weiß, dass irgendwann nicht nur die Erkrankung belastet, sondern auch die ständige Wiederholung. Man möchte helfen, erklären, Orientierung geben und verhindern, dass etwas schiefläuft. Und trotzdem hört man sich irgendwann selbst schärfer sprechen, als man es eigentlich wollte.

Ich finde es wichtig, Angehörigen an dieser Stelle nicht mit erhobenem Zeigefinger zu begegnen. Niemand bleibt unter dauernder Belastung immer freundlich, geduldig und vollkommen gelassen. Wer nachts schlecht schläft, tagsüber Verantwortung trägt und zum wiederholten Mal dieselbe Situation erlebt, wird irgendwann müde und vielleicht auch gereizt. Das ist menschlich. Nach 25 Jahren in der häuslichen Seniorenbetreuung habe ich immer wieder erlebt, dass gerade die Angehörigen, die sich besonders viel Mühe geben, am stärksten unter ihren eigenen ungeduldigen Momenten leiden. Sie machen sich hinterher Vorwürfe, weil sie denken, sie hätten besser reagieren müssen. Dabei hilft es viel mehr zu verstehen, warum Strenge bei Demenz so selten etwas bewirkt und weshalb ein wenig Wärme, Gelassenheit und manchmal auch Humor eine angespannte Situation erstaunlich schnell verändern können.

Strenge funktioniert dort, wo ein Mensch verstehen kann, warum er zurechtgewiesen wird, wo er sich an diese Erklärung erinnert und sein Verhalten beim nächsten Mal bewusst anpassen kann. Genau diese Voraussetzungen fehlen bei einer Demenz zunehmend. Wenn die Mutter zum zehnten Mal fragt, wann die Tochter kommt, erlebt sie diese Frage möglicherweise nicht als zehnte Wiederholung. Für sie kann es jedes Mal die erste Frage sein. Der Angehörige dagegen trägt alle vorherigen neun Fragen mit in den zehnten Moment hinein. Dadurch treffen zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen aufeinander. Der eine denkt: „Das habe ich doch gerade schon erklärt“, während der andere nicht versteht, warum die Antwort plötzlich so ungeduldig klingt.

Das ist für mich einer der wichtigsten Gedanken im Umgang mit Demenz überhaupt, weil er so viele Konflikte verständlicher macht. Der Angehörige erlebt die Wiederholung, der Mensch mit Demenz häufig nicht. Wenn wir uns das bewusst machen, wird klar, warum der Satz „Das habe ich dir doch eben schon gesagt“ zwar sachlich vollkommen richtig sein kann, dem Betroffenen aber kaum hilft. Er erfährt in diesem Moment vor allem den Tonfall, den Gesichtsausdruck und vielleicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.

Menschen mit Demenz verlieren nicht automatisch jedes Gefühl für ihre Umgebung. Im Gegenteil, oft werden Stimmung und Atmosphäre sehr fein wahrgenommen, während die sachliche Einordnung schwieriger wird. Ein scharfer Ton kann deshalb deutlich stärker wirken als der eigentliche Inhalt eines Satzes. Vielleicht versteht der Mensch nicht mehr genau, worum gestritten wird, spürt aber sehr wohl, dass sein Gegenüber verärgert ist. Dann entsteht Unsicherheit, und aus einer eigentlich kleinen Situation kann schnell ein größerer Konflikt werden.

Genau hier kann Humor manchmal eine wunderbare Brücke sein, sofern er liebevoll, respektvoll und passend zum Menschen eingesetzt wird. Ich meine damit ausdrücklich nicht, einen Menschen wegen seiner Demenz auszulachen oder seine Verwirrtheit lustig zu machen. Humor in der Demenzbetreuung darf niemals auf Kosten des Erkrankten gehen. Er ist vielmehr eine Form von Leichtigkeit, die signalisiert: Wir müssen aus diesem Moment keinen Kampf machen. Es ist nicht schlimm, wenn gerade etwas durcheinandergerät. Wir sind trotzdem miteinander und nicht gegeneinander.

Wer einen Menschen gut kennt, weiß meistens sehr genau, welche Art von Humor zu ihm passt. Manche Menschen haben ihr ganzes Leben gern gelacht, mochten kleine Wortspiele und konnten auch über sich selbst schmunzeln. Andere waren eher ernst und hätten es vielleicht schon früher nicht gemocht, wenn man eine schwierige Situation mit einem Scherz beantwortete. Deshalb gibt es hier kein Rezept. Humor muss biografisch passen. Was bei einer lebenslustigen Frau wunderbar funktioniert, kann bei einem sehr zurückhaltenden, würdevollen Menschen völlig unangebracht wirken.

Wenn eine Frau ihr Oberteil auf links angezogen hat und sich damit wohlfühlt, muss daraus nicht zwangsläufig ein Problem werden. Vielleicht kann man lächeln und sagen: „Heute haben wir eben unsere ganz eigene Mode.“ Wenn sie mitlächelt, ist die Situation vielleicht schon gelöst. Wenn sie sich dagegen unwohl fühlt oder das Kleidungsstück drückt, hilft man natürlich. Entscheidend ist nicht, alles mit einem Scherz abzutun, sondern zu unterscheiden, was wirklich korrigiert werden muss und was einfach einmal stehen bleiben darf.

Genau diese Unterscheidung kann den Alltag enorm erleichtern. Viele Familien geraten unbemerkt in eine Rolle, in der den ganzen Tag korrigiert wird. „Nein, nicht da hin.“ „Das hast du schon gefragt.“ „Du musst erst die Schuhe anziehen.“ „Heute ist Donnerstag.“ „Du bist doch zu Hause.“ Jede einzelne Korrektur kann nachvollziehbar sein, doch in der Summe erlebt der Mensch mit Demenz möglicherweise einen ganzen Tag, an dem er immer wieder erfährt, dass etwas, was er tut oder sagt, falsch ist.

Stellen Sie sich einmal vor, jemand würde Sie vom Morgen bis zum Abend bei vielen kleinen Dingen berichtigen. Selbst wenn jede einzelne Korrektur berechtigt wäre, würden Sie wahrscheinlich irgendwann gereizt reagieren. Bei einem Menschen mit Demenz kommt hinzu, dass er die Korrektur vielleicht gar nicht dauerhaft speichern kann. Er erlebt also immer wieder das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, ohne wirklich die Möglichkeit zu besitzen, daraus für das nächste Mal zu lernen. Genau deshalb ist es oft menschlicher, harmlose Unstimmigkeiten nicht jedes Mal richtigzustellen.

Humor kann diesen Moment verändern, weil er das Gefälle zwischen „Du machst etwas falsch“ und „Ich weiß, wie es richtig geht“ aufweicht. Statt den Erkrankten zu korrigieren, kann man manchmal gemeinsam über die Situation hinweggehen. Wenn der Vater zum dritten Mal dieselbe Schublade öffnet und nach etwas sucht, obwohl man längst weiß, dass es dort nicht liegt, kann ein freundlicher Satz wie „Die Schublade hält ihr Geheimnis heute aber hartnäckig fest“ vielleicht ein Lächeln auslösen. Wenn der Mensch darauf anspricht, entsteht für einen Augenblick etwas ganz anderes als Frust: Verbindung.

Für mich gibt es dabei einen sehr einfachen Maßstab. Lacht der Mensch mit, oder lachen nur die anderen? Sobald ein Mensch sich beschämt, irritiert oder bloßgestellt fühlt, ist die Grenze überschritten. Gerade Menschen, die ihre eigenen Defizite noch teilweise wahrnehmen, können durch einen unpassenden Scherz tief verletzt werden. Wenn jemand merkt, dass ihm ein Name nicht mehr einfällt, und darüber selbst traurig oder verunsichert ist, braucht er keine Pointe über seine Vergesslichkeit. Dann braucht er Unterstützung, die ihm sein Gesicht lässt.

Ich würde in einer solchen Situation vielleicht sagen: „Der Name kommt bestimmt gleich wieder, manchmal verstecken sich Wörter genau dann, wenn man sie braucht.“ Damit wird die Schwierigkeit nicht geleugnet, aber sie wird auch nicht dramatisiert. Der Mensch spürt, dass er nicht geprüft wird.

Humor ist deshalb für mich kein Klamauk. Er ist keine Methode, die man aus einem Ratgeber übernimmt und dann in jeder Situation einsetzt. Er ist viel eher eine Haltung, die sagt: Wir müssen hier nicht gewinnen. Wir müssen nicht jeden Irrtum beweisen und nicht jedes Missverständnis vollständig auflösen.

Gerade bei kleinen Verwechslungen kann das sehr entlastend sein. Wenn der Vater erzählt, er habe früher jeden Sonntag den Kuchen gebacken, obwohl die Familie genau weiß, dass er nie gebacken hat, muss niemand sofort widersprechen. Vielleicht kann man schmunzelnd sagen: „Dann hast du uns dein Geheimrezept aber sehr lange vorenthalten.“ Wenn daraus ein Gespräch entsteht und der Vater zufrieden lächelt, ist dieser Moment oft wertvoller als die historische Korrektheit.

Natürlich gibt es Situationen, in denen Orientierung notwendig ist. Wenn ein Irrtum eine Gefahr bedeutet, wenn Medikamente betroffen sind, wenn jemand das Haus verlassen will oder eine Entscheidung ernsthafte Konsequenzen haben kann, muss klar und sicher gehandelt werden. Aber nicht jede falsche Erinnerung braucht eine Korrektur und nicht jeder verwechselte Wochentag eine Diskussion.

Das ist für Angehörige anfangs manchmal schwer, weil sie es gewohnt sind, einen geliebten Menschen ernst zu nehmen, indem sie ehrlich und sachlich mit ihm sprechen. Genau das ist im normalen Alltag auch richtig. Bei Demenz verändert sich jedoch manchmal die Frage. Es geht nicht mehr nur darum, ob eine Information stimmt, sondern darum, was ihre Korrektur in diesem Moment bewirkt.

Wenn eine Frau nach ihrer längst verstorbenen Mutter fragt und man ihr jedes Mal wieder sagt, dass die Mutter schon seit vielen Jahren tot ist, kann sie diese Nachricht möglicherweise immer wieder neu erleben. Für sie ist der Schmerz dann nicht dreißig Jahre alt, sondern vielleicht gerade erst entstanden. In einer solchen Situation kann es liebevoller sein, über die Mutter zu sprechen, zu fragen, was sie an ihr mochte oder woran sie sich erinnert. Vielleicht kommt sogar ein vertrauter humorvoller Satz aus der Vergangenheit zurück. Wenn die Frau sagt: „Meine Mutter hätte geschimpft, wenn sie das gesehen hätte“, kann man vielleicht antworten: „Dann haben wir heute ja Glück, dass sie uns nicht erwischt.“ Wenn die Frau darüber lächelt, entsteht ein schöner Moment, ohne dass man sie bewusst täuschen oder korrigieren muss.

Auch bei der Körperpflege kann Leichtigkeit hilfreich sein, wenn sie zum Menschen passt. Das Anziehen wird manchmal kompliziert, weil ein Arm nicht in den Ärmel findet oder die Reihenfolge durcheinandergerät. Wenn der Angehörige ständig verbessert und drängt, wächst der Druck. Ein kleiner freundlicher Kommentar kann die Situation entspannen, sofern der Betroffene selbst dafür offen ist. Aber gerade hier ist Sensibilität wichtig. Wenn jemand Angst hat, sich schämt oder körperliche Schmerzen zeigt, braucht er keinen Humor, sondern Schutz und Verständnis.

Das ist für mich eine entscheidende Grenze: Humor darf nicht dazu benutzt werden, ein echtes Gefühl wegzumachen. Wenn ein Mensch traurig ist, darf er traurig sein. Wenn er Angst hat, muss man diese Angst ernst nehmen. Wenn er aggressiv reagiert, weil etwas weh tut, hilft kein scherzhafter Satz. Ein Mensch soll sich nicht darüber hinwegtrösten müssen, dass andere seine Not lieber leichter hätten.

Humor ist dann wertvoll, wenn Spannung entstanden ist, obwohl eigentlich keine Gefahr besteht, wenn ein Missverständnis nicht zwingend aufgelöst werden muss oder wenn zwei Menschen sich noch über eine kleine Unordnung des Lebens gemeinsam amüsieren können.

Gerade darin liegt für mich etwas sehr Schönes, denn Demenz macht einen Familienalltag ohnehin ernst genug. Es gibt Arzttermine, Veränderungen, Entscheidungen und Abschiede von Fähigkeiten, die einmal selbstverständlich waren. Wenn jede kleine Verwechslung ebenfalls zu einem ernsten Problem wird, verschwindet irgendwann jede Leichtigkeit aus der Beziehung.

Und diese Leichtigkeit fehlt dann nicht nur dem Menschen mit Demenz, sondern auch dem Angehörigen.

Ich habe über die Jahre immer wieder erlebt, wie viel ein gemeinsames Lachen zurückgeben kann. Nicht, weil es die Erkrankung verändert, sondern weil es für einen kurzen Moment wieder etwas von dem sichtbar macht, was die beiden Menschen vorher miteinander hatten. Ein Ehepaar, das jahrzehntelang denselben Humor geteilt hat, kann manchmal noch über Dinge lachen, obwohl andere Formen des Gesprächs bereits deutlich schwieriger geworden sind. Eine Tochter erkennt vielleicht in einem bestimmten Gesichtsausdruck oder einer schlagfertigen Antwort plötzlich wieder sehr viel von ihrer Mutter.

Solche Momente können tief berühren. Gerade weil so vieles verloren geht, fällt einem plötzlich auf, dass etwas Vertrautes noch da ist. Vielleicht kann der Vater einen Namen nicht mehr nennen, erkennt aber einen alten Familienwitz. Vielleicht vergisst die Mutter am Nachmittag, wer zu Besuch war, aber in dem Moment selbst hat sie herzlich gelacht. Diese Freude verliert ihren Wert nicht dadurch, dass sie später nicht mehr erinnert wird.

Das ist ein Gedanke, den ich Angehörigen wirklich gern mitgeben möchte. Wir messen gute Momente häufig daran, ob sie im Gedächtnis bleiben. Bei Demenz funktioniert dieser Maßstab irgendwann nicht mehr. Ein Mensch kann sich am Abend nicht erinnern, dass er vormittags gelacht hat, aber das Lachen war trotzdem echt. Die Freude war da. Die Entspannung war da. Die Beziehung war für diesen Moment da.

Das ist nicht wenig.

Es kann sogar sehr viel sein.

Auch deshalb würde ich Angehörigen empfehlen, einmal auf die eigene Sprache zu achten. Nicht um sich zu kontrollieren oder zu kritisieren, sondern um zu sehen, wie oft im Laufe eines Tages korrigierende Wörter fallen. Wie häufig sagen Sie „Nein“, „falsch“, „doch“, „musst“, „habe ich dir schon gesagt“ oder „das stimmt nicht“? Oft entsteht erst durch diese Beobachtung ein Gefühl dafür, wie viel Korrektur ein Mensch täglich erlebt.

Manchmal kann schon eine kleine Veränderung der Formulierung viel Druck herausnehmen. Aus „Nein, das ist falsch“ wird „Komm, wir schauen gemeinsam.“ Aus „Das hast du doch schon gefragt“ wird einfach noch einmal eine kurze Antwort. Aus „So geht das nicht“ kann „Wir probieren es zusammen noch einmal“ werden. Und aus einer völlig harmlosen Verwechslung kann manchmal einfach ein kleines gemeinsames Lächeln entstehen.

Gerade wiederholte Fragen verlangen Angehörigen sehr viel ab. Wenn dieselbe Frage innerhalb kurzer Zeit immer wieder kommt, ist es völlig normal, dass die Geduld irgendwann nachlässt. In solchen Situationen hilft es oft, die Antwort kurz zu halten und nicht jedes Mal die ganze Erklärung neu aufzubauen. Wer merkt, dass er selbst zunehmend gereizt wird, darf sich auch einmal kurz zurückziehen, sofern der Mensch sicher ist. Ein Glas Wasser, einige Minuten im Nebenraum oder der Wechsel mit einer anderen Betreuungsperson kann hilfreicher sein als der Versuch, mit zusammengebissenen Zähnen freundlich zu bleiben.

Auch das ist etwas, was ich Angehörigen immer wieder sagen möchte: Sie müssen nicht in jedem Moment perfekt reagieren.

Humor funktioniert ohnehin nur, wenn er echt ist. Wer innerlich kurz vor dem Explodieren steht, muss keinen lustigen Satz produzieren. Dann ist eine Pause menschlicher und ehrlicher.

Innerhalb von Familien entsteht manchmal noch eine andere Form von Humor, nämlich der Versuch, die eigene Belastung gemeinsam irgendwie leichter auszuhalten. Auch darüber sollte man offen sprechen. Menschen verarbeiten schwere Situationen unterschiedlich, und manchmal hilft ein wenig schwarzer Humor unter Angehörigen tatsächlich, die Schwere für einen Moment zu durchbrechen. Entscheidend ist jedoch, dass der Erkrankte niemals zum Gegenstand eines Witzes wird, der ihn herabsetzt oder bloßstellt.

Gerade wenn ein Mensch nicht mehr sicher versteht, warum andere lachen, sollten wir besonders achtsam sein. Würde bedeutet nicht nur, jemanden körperlich gut zu versorgen. Sie zeigt sich auch darin, wie über ihn gesprochen und mit ihm umgegangen wird.

Deshalb finde ich den Blick auf die frühere Persönlichkeit so wichtig. Wie wurde in dieser Familie immer miteinander gesprochen? Gab es bestimmte Sprüche, die alle kannten? War der Mensch selbst schlagfertig, verspielt oder eher ernst? Hat er Dialekt gesprochen oder bestimmte Redewendungen benutzt? All diese Dinge gehören zur Biografie und können auch später einen Zugang schaffen.

Manchmal erreicht ein vertrauter Satz in der Sprache der Kindheit mehr als eine sachlich perfekte Erklärung. Ein Mensch hört vielleicht die vertraute Mundart und entspannt sich, weil sie ihm emotional näher ist. Ein alter Familienspruch kann plötzlich ein Lächeln hervorrufen, obwohl ein kompliziertes Gespräch längst nicht mehr möglich ist.

Genau deshalb halte ich wenig von allgemeinen „Humor-Techniken für Demenz“. Es geht nicht darum, eine Methode anzuwenden. Es geht darum, den Menschen zu kennen.

Wer war er vor der Erkrankung? Worüber konnte er lachen? Was hat ihn gekränkt? Wo lagen seine Grenzen? Wie war der Umgang innerhalb der Familie?

Diese Fragen sind viel wichtiger als irgendein auswendig gelernter Satz.

Humor kann übrigens auch dann sehr schön wirken, wenn der gesunde Angehörige selbst einen Fehler macht. In Pflegebeziehungen entsteht leicht ein Gefälle: Der eine weiß, erinnert, organisiert und entscheidet, während der andere immer häufiger korrigiert werden muss. Wenn der Angehörige selbst einmal etwas verwechselt oder fallen lässt und darüber schmunzeln kann, erlebt der Mensch mit Demenz vielleicht für einen Moment, dass Fehler nicht ausschließlich auf seiner Seite passieren.

Das kann eine Beziehung erstaunlich entspannen.

Niemand lebt gern in einer Welt, in der nur die eigenen Fehler auffallen.

Trotz aller positiven Möglichkeiten muss aber klar sein, dass Humor niemals eine medizinische oder pflegerische Abklärung ersetzt. Wenn sich das Verhalten eines Menschen plötzlich deutlich verändert, wenn er ungewöhnlich aggressiv, ängstlich, unruhig oder verwirrt wird, sollte man nicht nur versuchen, mit einer anderen Kommunikation darauf zu reagieren. Menschen mit Demenz können Schmerzen, Infektionen, Flüssigkeitsmangel, Verstopfung, Harnwegsprobleme oder Nebenwirkungen von Medikamenten haben, ohne ihre Beschwerden noch klar benennen zu können. Gerade plötzlich auftretende Veränderungen verdienen deshalb immer Aufmerksamkeit.

Auch wenn ein Mensch sich selbst oder andere gefährdet, reicht kein noch so liebevoller Humor. Angehörige müssen sich nicht schlagen, treten oder in gefährliche Situationen bringen lassen. Dann braucht es Sicherheit, Unterstützung und je nach Situation ärztliche oder andere fachliche Hilfe.

Humor hat also seinen Platz, aber er hat auch klare Grenzen.

Vielleicht ist gerade deshalb sein eigentlicher Wert so schön. Er ist kein Medikament, keine Therapie und kein Trick. Er ist ein Teil einer Beziehung, der auch dann noch bestehen kann, wenn andere Teile schwieriger werden.

Nach vielen Jahren mit Senioren und ihren Familien habe ich immer wieder gesehen, wie schnell der Alltag bei Demenz nur noch aus dem bestehen kann, was nicht mehr funktioniert. Der Mensch vergisst, verwechselt, lehnt ab, fragt wieder, findet etwas nicht oder kann eine Handlung nicht mehr richtig ausführen. Angehörige geraten dadurch fast zwangsläufig in die Rolle derjenigen, die erinnern, korrigieren, helfen und schützen.

Dabei darf etwas sehr Wertvolles nicht verloren gehen: das gemeinsame Menschsein.

Dazu gehört auch das Lachen.

Nicht über den Menschen, sondern mit ihm.

Nicht über seine Krankheit, sondern manchmal einfach über die kleinen Absurditäten eines Tages.

Wenn es gelingt, dieses gemeinsame Lachen zu bewahren, kann es eine Beziehung unglaublich tragen. Der Mensch mit Demenz erlebt dann nicht nur ständig, was er nicht mehr kann. Er erlebt auch weiterhin Momente, in denen er dazugehört, in denen niemand ihn prüft und in denen etwas einfach angenehm ist.

Für Angehörige kann das genauso wertvoll sein. Ein humorvoller Moment erinnert daran, dass der geliebte Mensch nicht nur aus seiner Erkrankung besteht. Da ist weiterhin eine Persönlichkeit, eine gemeinsame Geschichte und vielleicht noch immer genau dieses kleine Lächeln, das man seit Jahrzehnten kennt.

Wenn ich mit einer Familie am Küchentisch säße und sie mich fragen würde, wie sie weniger kämpfen kann, würde ich deshalb nicht sagen, sie solle einfach häufiger Witze machen. Ich würde sie eher bitten, einmal zu schauen, welche Kämpfe überhaupt notwendig sind. Manche Dinge brauchen klare Grenzen, andere medizinische Abklärung, und bei Gefahren muss selbstverständlich gehandelt werden. Aber viele kleine Unstimmigkeiten im Demenzalltag brauchen weder einen Gewinner noch eine Korrektur.

Vielleicht darf ein Donnerstag für einen Moment Montag sein, wenn daraus nichts Gefährliches entsteht. Vielleicht muss ein Pullover nicht sofort richtig herumgedreht werden, wenn der Mensch sich darin wohlfühlt. Vielleicht darf eine Erinnerung genauso erzählt werden, wie sie in diesem Moment kommt, auch wenn die Familie weiß, dass einzelne Details anders waren. Und vielleicht darf man darüber gemeinsam schmunzeln, wenn beide dieses Schmunzeln teilen.

Für mich ist genau das kein Wegschauen und keine Verharmlosung. Es ist die Entscheidung, nicht jeden Irrtum größer zu machen, als er sein muss.

Demenz nimmt einem Menschen im Laufe der Zeit sehr viel Sicherheit. Wenn wir ihm dann im Alltag ständig zeigen, was nicht mehr stimmt, kann sich diese Unsicherheit noch verstärken. Wenn wir dagegen dort, wo es möglich und ungefährlich ist, etwas großzügiger werden und manchmal gemeinsam lachen können, entsteht eine andere Atmosphäre.

Eine Atmosphäre, in der ein Mensch nicht immer nur korrigiert wird.

Eine Atmosphäre, in der Angehörige nicht jeden Tag gegen dieselben Dinge kämpfen müssen.

Und vor allem eine Atmosphäre, in der trotz der Erkrankung noch Platz bleibt für Wärme, Persönlichkeit und Beziehung.

Nach 25 Jahren in der häuslichen Seniorenbetreuung glaube ich, dass genau diese kleinen Momente oft viel mehr bedeuten, als wir ihnen zunächst zutrauen. Sie heilen keine Demenz und sie machen schwere Tage nicht automatisch leicht. Aber sie können verhindern, dass eine Krankheit jede Begegnung vollständig bestimmt.

Wenn zwei Menschen noch miteinander lachen können, ist für einen Moment nicht die Demenz das Wichtigste im Raum.

Dann sind da einfach wieder zwei Menschen, die sich kennen, miteinander verbunden sind und für einen Augenblick etwas Leichtes teilen.

Und manchmal ist genau das sehr viel.

Ihre Elke Hanak

Elkine-Seniorenbetreuung – Ihr vertrauensvoller Partner für die häusliche 24 Stunden Seniorenbetreuung

Wichtiger medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung für Angehörige und ersetzt keine ärztliche, neurologische, psychiatrische oder sonstige medizinische Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Neu auftretende oder deutlich zunehmende Verhaltensveränderungen, starke Unruhe, ausgeprägte Angst, Aggressivität, ungewöhnliche Schläfrigkeit, Halluzinationen, Schmerzen oder plötzlich verstärkte Verwirrtheit sollten ärztlich abgeklärt werden. Hinter solchen Veränderungen können neben der Demenzerkrankung auch behandelbare körperliche oder psychische Ursachen wie Infektionen, Flüssigkeitsmangel, Schmerzen, Verstopfung, Harnwegsbeschwerden, Hör- oder Sehprobleme, Medikamentennebenwirkungen oder ein akuter Verwirrtheitszustand stehen. Medikamente dürfen nicht eigenständig begonnen, verändert oder abgesetzt werden.