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24 Stunden Pflege - deutsche & deutschsprachige Kräfte.

Deutsche 24 Stunden Betreuung bundesweit – 25 Jahre Erfahrung – zwei gleichbleibende Kräfte

Wenn Körperpflege zur Abwehr wird – Demenz verstehen und würdevoll begleiten

Warum Körperpflege bei Demenz plötzlich zum Konflikt wird – und wie Angehörige neue Wege finden können

Für viele Angehörige gehört die Körperpflege zu den Situationen, in denen eine Demenzerkrankung besonders schmerzhaft sichtbar wird. Nicht unbedingt deshalb, weil Waschen, Duschen oder Ankleiden körperlich so schwierig wären. Viel schwerer auszuhalten ist oft der Widerspruch zu dem Menschen, den man sein Leben lang gekannt hat. Da war vielleicht eine Mutter, die niemals ungepflegt zum Frühstück gekommen wäre, eine Frau, die auf ihre Haare achtete, ihre Kleidung sorgfältig auswählte und selbstverständlich jeden Morgen ins Bad ging. Oder ein Vater, bei dem Rasieren, frisches Hemd und ordentlich gekämmte Haare so fest zum Tagesbeginn gehörten, dass niemand darüber nachdenken musste. Und irgendwann steht genau dieser Mensch im Badezimmer und sagt plötzlich Nein, zieht die Hände weg, hält seine Kleidung fest, dreht sich zur Wand oder beginnt sich so heftig zu wehren, dass der Angehörige ihn kaum wiedererkennt.

Gerade dann entsteht schnell ein Gefühl von Fassungslosigkeit. Man möchte doch nichts Böses. Im Gegenteil. Man versucht, einem geliebten Menschen zu helfen, ihn sauber und gepflegt zu halten, Hautprobleme zu vermeiden und etwas zu erhalten, was früher für ihn selbstverständlich war. Trotzdem wird diese Hilfe zurückgewiesen. Viele Angehörige suchen den Fehler zunächst bei sich selbst. Vielleicht war ich zu ungeduldig, vielleicht habe ich es falsch erklärt, vielleicht hätte ich einen anderen Zeitpunkt wählen müssen. Manche fragen sich sogar, ob die Mutter sich ausgerechnet gegen sie wehrt, weil sie sie nicht mehr erkennt oder nicht mehr mag. Doch häufig liegt die eigentliche Erklärung woanders. Der Mensch mit Demenz erlebt möglicherweise gar nicht dieselbe Situation wie der Angehörige.

Für den Angehörigen ist klar, dass morgens Körperpflege ansteht. Er kennt das Badezimmer, die Reihenfolge, das Handtuch, die Kleidung und den Sinn des gesamten Ablaufs. Für den Menschen mit Demenz kann dieser Zusammenhang bereits verloren gegangen sein. Er versteht vielleicht einzelne Worte, kann sie aber nicht mehr zuverlässig miteinander verbinden. Er weiß womöglich nicht mehr, weshalb er sich ausziehen soll, warum jemand seinen Arm anhebt oder weshalb plötzlich Wasser über seinen Körper läuft. Was für den Angehörigen ein vertrauter Vorgang ist, kann sich für ihn wie eine Abfolge fremder Handlungen anfühlen, über die andere bestimmen.

Genau an diesem Punkt verändert sich der Blick auf Abwehr. Dann lautet die entscheidende Frage nicht mehr: Wie bekomme ich ihn dazu, sich waschen zu lassen? Viel wichtiger wird die Frage: Was erlebt dieser Mensch in diesem Moment, und weshalb fühlt sich etwas, das früher selbstverständlich war, heute möglicherweise bedrohlich an?

Körperpflege berührt einen sehr privaten Bereich des Menschen

Körperpflege ist niemals nur Hygiene. Sie berührt Scham, Intimität, Kontrolle und die unmittelbare Verfügung über den eigenen Körper. Solange ein Mensch selbstständig ist, entscheidet er darüber, wann er duscht, wie warm das Wasser sein soll, wie lange er im Bad bleibt, welche Pflegeprodukte er verwendet und ob überhaupt jemand dabei sein darf. All diese Entscheidungen sind so alltäglich, dass wir ihren Wert meist erst bemerken, wenn sie nicht mehr selbstverständlich sind.

Mit zunehmender Pflegebedürftigkeit verschiebt sich diese Grenze. Ein anderer Mensch steht plötzlich mit im Badezimmer, hilft beim Ausziehen, reicht den Waschlappen oder übernimmt Tätigkeiten, die jahrzehntelang vollkommen privat waren. Schon für einen geistig vollkommen orientierten Menschen kann das unangenehm und beschämend sein. Bei Demenz kommt hinzu, dass möglicherweise nicht mehr verstanden wird, weshalb diese Nähe notwendig ist. Der Angehörige denkt: Ich helfe dir beim Waschen. Der Erkrankte erlebt vielleicht: Jemand zieht mich aus und fasst mich an.

Dieser Unterschied ist enorm. Wer ihn nicht berücksichtigt, hält die Abwehr vielleicht für Trotz oder Uneinsichtigkeit. Wer versucht, die Situation aus Sicht des Betroffenen zu betrachten, erkennt etwas anderes. Wenn ein Mensch nicht mehr versteht, warum jemand ihm die Kleidung auszieht oder seinen Körper berührt, kann Wegschieben, Festhalten, Schimpfen oder Verlassen des Raumes eine vollkommen nachvollziehbare Schutzreaktion sein.

Gerade darin liegt eine tiefere Bedeutung der Abwehr. Der Mensch verteidigt möglicherweise einen der letzten Bereiche, über die er unmittelbar noch verfügen kann: den eigenen Körper. Im Verlauf einer Demenz werden viele Entscheidungen zunehmend von anderen übernommen. Angehörige kümmern sich um Finanzen, Medikamente, Arzttermine, Mobilität oder Sicherheit. Häufig ist das notwendig. Trotzdem kann aus Sicht des Erkrankten das Gefühl entstehen, dass immer mehr über ihn entschieden wird. Das körperliche Nein kann dann zu einer der wenigen noch unmittelbar verfügbaren Möglichkeiten werden, eine Grenze zu setzen.

Scham kann bleiben, auch wenn vieles andere verloren geht

Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass Scham zusammen mit dem Gedächtnis verschwindet. Ein Mensch kann nicht mehr wissen, welcher Tag heute ist, und trotzdem sehr genau empfinden, dass er unbekleidet vor einem anderen Menschen steht. Er kann Namen vergessen und sich dennoch unwohl fühlen, wenn jemand den Intimbereich berührt. Er kann nicht erklären, warum ihm etwas unangenehm ist, und trotzdem die Hand wegschieben.

Gerade in Familien entstehen dadurch sehr schwierige Situationen. Eine Tochter möchte ihrer Mutter helfen und versteht nicht, weshalb die Mutter sich ausgerechnet gegen sie wehrt, eine fremde Betreuungskraft jedoch eher akzeptiert. Doch dieser scheinbare Widerspruch kann tief in der gemeinsamen Beziehung verwurzelt sein. Vielleicht war die Mutter jahrzehntelang diejenige, die ihre Tochter gepflegt, versorgt und beschützt hat. Nun sollen sich die Rollen plötzlich umkehren. Für die Tochter mag das eine notwendige Folge des Alters sein. Für die Mutter kann dieser Rollentausch, auch wenn sie ihn nicht mehr bewusst erklären kann, etwas Beschämendes oder Verunsicherndes haben.

Demenz löscht eine Persönlichkeit nicht einfach aus. Vieles verändert sich, anderes bleibt erstaunlich lange erhalten. Beziehungsmuster, Gefühle, Schamgrenzen und tief eingeprägte Vorstellungen davon, was sich gehört und was privat ist, können weiterwirken, obwohl die bewusste Erinnerung daran längst unsicher geworden ist. Genau deshalb lohnt es sich, hinter einer Abwehr nicht nur nach dem offensichtlichsten Grund zu suchen.

Ein Nein kann viele verschiedene Bedeutungen haben

Gute Demenzbegleitung wird besonders anspruchsvoll, weil dasselbe Verhalten vollkommen unterschiedliche Ursachen haben kann. Der eine Mensch wehrt sich, weil er friert. Der andere versteht nicht, was geschieht. Eine Frau schämt sich, ein Mann hat Schmerzen in der Schulter, eine andere Person wird durch das Rauschen der Dusche verunsichert. Manche Menschen kommen morgens schlecht mit Anforderungen zurecht, sind aber am späten Vormittag deutlich zugänglicher. Andere reagieren auf bestimmte Personen anders als auf vertraute Kräfte.

Deshalb hilft es wenig, Abwehr einfach mit dem Satz zu beschreiben: „Er will sich nicht waschen.“ Viel aussagekräftiger ist es, genau zu beobachten, wann die Abwehr beginnt. Schon beim Wort Badezimmer? Erst beim Ausziehen? Beim Anheben eines Armes? Beim Haarewaschen? Nur bei der Intimpflege? Immer dann, wenn mehrere Aufforderungen schnell hintereinander erfolgen? Erst wenn Zeitdruck entsteht?

Diese Beobachtungen können Hinweise geben, die wesentlich weiterführen als die pauschale Vorstellung, ein Mensch lehne Körperpflege grundsätzlich ab. Vielleicht lehnt er nicht die Pflege selbst ab, sondern eine bestimmte Form, einen bestimmten Zeitpunkt oder eine bestimmte Berührung.

Gerade hier zeigt sich, wie wertvoll es ist, nicht nur auf das Verhalten zu reagieren, sondern neugierig auf seine Bedeutung zu bleiben. Das ist etwas anderes als bloße Geduld. Es bedeutet, den Menschen trotz seiner Demenz weiterhin als jemanden zu betrachten, dessen Verhalten einen Grund haben kann, auch wenn dieser Grund nicht mehr ohne Weiteres ausgesprochen wird.

Wie aus Fürsorge unbemerkt ein Machtkampf entstehen kann

Angehörige geraten in solchen Situationen leicht in einen Kreislauf, den ich sehr gut verstehen kann. Sie wissen, dass Körperpflege notwendig ist. Vielleicht wurde am Vortag bereits darauf verzichtet. Gleichzeitig wartet ein Termin, das Frühstück wird kalt oder der eigene Arbeitstag beginnt. Also wird erklärt, überredet und schließlich gedrängt. „Wir müssen jetzt ins Bad.“ Der Mensch mit Demenz sagt Nein. „Aber du hast dich gestern schon nicht gewaschen.“ Wieder Nein. „Es dauert doch nur ein paar Minuten.“

Mit jeder Wiederholung steigt die Spannung. Die Stimme des Angehörigen verändert sich, ohne dass er das vielleicht selbst bemerkt. Der Betroffene spürt diesen Druck sehr wohl. Und irgendwann geht es gar nicht mehr um Waschen. Dann kämpfen zwei Menschen um Kontrolle. Der eine möchte eine notwendige Aufgabe erledigen, der andere versucht, einer Situation zu entkommen, die ihm immer unangenehmer erscheint.

Das Tragische daran ist, dass beide aus ihrer jeweiligen Perspektive einen nachvollziehbaren Grund haben. Der Angehörige sorgt sich um Hygiene, Hautpflege und Gesundheit. Der Erkrankte schützt sich vor etwas, das er nicht versteht oder nicht möchte. Wenn dieser Konflikt eskaliert, bleiben am Ende häufig beide verletzt zurück. Der Angehörige schämt sich für seine Ungeduld, der Betroffene erlebt möglicherweise noch lange danach Unruhe, auch wenn er die konkrete Situation längst vergessen hat.

Deshalb kann es sehr vernünftig sein, einen Versuch abzubrechen. Nicht jede Körperpflege muss genau in diesem Augenblick vollständig durchgeführt werden. Manchmal gelingt sie nach dem Frühstück, eine Stunde später oder in einer anderen Form. Vielleicht reicht an einem schwierigen Tag eine gründliche Teilwäsche. Vielleicht werden Haare und Körper getrennt gepflegt. Vielleicht muss ein bestimmter Schritt auf später verschoben werden. Das ist kein Nachgeben gegenüber der Erkrankung, sondern eine Anpassung an die tatsächliche Situation.

Warum lange Erklärungen oft eher überfordern

Viele Angehörige versuchen verständlicherweise, Sicherheit durch Erklärungen zu schaffen. Doch genau darin kann bei Demenz ein Problem liegen. Eine längere Erklärung setzt voraus, dass ein Mensch mehrere Informationen aufnehmen, miteinander verbinden und lange genug behalten kann, um daraus einen Sinn zu bilden. Diese Fähigkeit kann eingeschränkt sein.

Dann wird aus gut gemeintem Erklären schnell eine zusätzliche Überforderung. Während der Angehörige noch beschreibt, was gleich geschehen soll, ist der erste Teil möglicherweise bereits wieder verloren gegangen. Dazu kommen Geräusche, Bewegungen, vielleicht ein Spiegel, eine ungewohnte Temperatur und die körperliche Nähe eines anderen Menschen. Für jemanden mit Demenz können all diese Reize gleichzeitig zu viel sein.

Oft hilft deshalb ein überschaubarer Ablauf mehr als viele Worte. Ein warmer Raum, vorbereitete Kleidung, ein Handtuch in Reichweite, eine ruhige Stimme und eine kurze Ankündigung dessen, was unmittelbar als Nächstes geschieht. Anschließend braucht der Mensch Zeit, diesen einen Schritt zu verarbeiten, bevor der nächste kommt.

Langsamkeit wird in unserer Gesellschaft häufig mit Ineffizienz verwechselt. In der Demenzbetreuung kann sie eine Form von Respekt sein. Wer langsamer vorgeht, gibt dem anderen die Chance, nicht nur Objekt der Pflege zu sein, sondern zumindest ein Stück weit beteiligt zu bleiben.

Auch der Körper kann sprechen, wenn Worte fehlen

Nicht jede Abwehr hat ihre Ursache in Angst oder Scham. Gerade bei Demenz ist es wichtig, körperliche Ursachen nicht zu übersehen. Schmerzen werden mit fortschreitender Erkrankung manchmal nicht mehr klar benannt oder an der richtigen Stelle lokalisiert. Eine schmerzende Schulter, Arthrose, Hautreizungen, eine Entzündung oder eine andere körperliche Veränderung können dazu führen, dass ein Mensch Berührungen abwehrt.

Er sagt dann vielleicht nicht: „Meine Schulter tut weh.“ Stattdessen zieht er den Arm zurück. Er erklärt nicht, dass die Haut brennt, sondern schlägt die Hand weg. Er kann nicht beschreiben, dass ihm beim Drehen schwindelig wird, sondern beginnt plötzlich laut zu werden.

Deshalb sollte neu auftretende oder deutlich stärkere Abwehr niemals vorschnell mit dem Satz erklärt werden: Das ist eben die Demenz. Verhalten kann bei Demenz eine Form von Kommunikation sein. Manchmal ist es sogar die einzige Kommunikation, die noch zuverlässig zur Verfügung steht.

Gerade wenn bestimmte Berührungen immer wieder dieselbe Reaktion auslösen oder sich das Verhalten plötzlich verändert, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob Schmerzen, Hautveränderungen, Infektionen oder andere körperliche Ursachen dahinterstehen.

Körperpflege muss nicht jeden Tag gleich aussehen

Auch die eigenen Vorstellungen von Sauberkeit können unnötigen Druck erzeugen. Viele Menschen haben ein sehr festes Bild davon, wie Körperpflege abzulaufen hat: morgens waschen, regelmäßig duschen, Haare pflegen, frische Kleidung, alles ordentlich. Diese Vorstellungen sind grundsätzlich sinnvoll. Bei einer fortgeschrittenen Demenz kann es trotzdem notwendig werden, flexibler zu denken.

Eine gründliche Teilwäsche kann an manchen Tagen sinnvoller sein als eine Dusche, die nur unter massivem Widerstand gelingt. Haare können zu einem anderen Zeitpunkt gewaschen werden. Manche Menschen lassen sich im Sitzen leichter pflegen, andere am Waschbecken besser als unter der Dusche. Entscheidend ist, Hygiene und Hautgesundheit zu erhalten, ohne jeden Ablauf zu einem Konflikt werden zu lassen.

Dabei geht es nicht darum, notwendige Pflege wegzulassen. Es geht darum, zwischen medizinisch und hygienisch notwendiger Versorgung und einer bestimmten Vorstellung von Perfektion zu unterscheiden. Ein Mensch muss nicht jeden Morgen so gepflegt aussehen, als müsste er anschließend einen gesellschaftlichen Termin wahrnehmen. Viel wichtiger ist, dass Pflege respektvoll und möglichst ohne Angst erfolgt.

Für Angehörige ist Abwehr oft auch persönlich verletzend

Ein sehr schwieriger Punkt wird in Ratgebern häufig zu schnell abgehandelt. Eine Mutter schlägt nach ihrer Tochter, ein Vater beschimpft seinen Sohn, eine Ehefrau stößt den Mann weg, der sie seit Jahrzehnten liebt. Natürlich verletzt das. Es wäre beinahe zynisch, Angehörigen einfach zu sagen, sie sollten es „nicht persönlich nehmen“.

Sie nehmen es persönlich, weil es von einem Menschen kommt, mit dem sie eine gemeinsame Geschichte haben. Vielleicht hat die Tochter seit Monaten alles organisiert, Nächte geopfert, Arzttermine begleitet und ihr eigenes Leben zurückgestellt. Wenn dann ausgerechnet die Mutter sagt „Geh weg“ oder „Lass mich in Ruhe“, trifft das einen wunden Punkt.

Hilfreicher ist eine andere Sicht. Die Reaktion des Menschen mit Demenz kann sich gegen die Situation richten und nicht gegen die Person. Er wehrt sich möglicherweise gegen Nähe, die er nicht versteht, gegen Scham, gegen Schmerzen oder gegen das Gefühl, Kontrolle zu verlieren. Das nimmt die Verletzung nicht vollständig weg, kann aber verhindern, dass aus einer pflegerisch schwierigen Situation ein dauerhafter persönlicher Konflikt wird.

Manchmal ist genau hier der Punkt erreicht, an dem eine Familie überlegen sollte, ob bestimmte Aufgaben abgegeben werden können. Eine Tochter muss nicht jeden Morgen diejenige sein, mit der ihre Mutter um die Körperpflege kämpft. Vielleicht gelingt dieselbe Situation mit einer vertrauten Betreuungskraft ruhiger, weil die Beziehung eine andere ist. Dann bedeutet das nicht, dass die Tochter versagt hat. Es kann vielmehr helfen, die familiäre Beziehung zu schützen.

Eine Tochter sollte die Chance behalten, Tochter zu sein und nicht ausschließlich die Person, die wäscht, kontrolliert und durchsetzt.

Würde zeigt sich besonders dort, wo ein Mensch sich nicht mehr selbst schützen kann

Über Würde wird in der Pflege häufig gesprochen. Im Badezimmer zeigt sich, was dieses Wort praktisch bedeutet. Würde heißt dort nicht, große Grundsätze zu formulieren, sondern sehr konkrete Dinge zu beachten. Die Tür wird geschlossen. Ein Mensch wird nicht unnötig lange unbekleidet gelassen. Nur die Körperregion wird freigelegt, die gerade gepflegt wird. Eine Berührung wird angekündigt. Niemand spricht über den Betroffenen hinweg, als wäre er gar nicht im Raum. Auch Zeitdruck ist kein Grund, aus einem Menschen einen Gegenstand zu machen, an dem eine Aufgabe erledigt werden muss.

Besonders wichtig ist für mich die Erkenntnis, dass fehlende Sprache nicht mit fehlendem Empfinden verwechselt werden darf. Ein Mensch, der nicht mehr sagen kann „Das ist mir peinlich“, kann Peinlichkeit trotzdem empfinden. Wer nicht mehr erklären kann „Bitte langsamer“, kann Hektik trotzdem als bedrängend erleben. Wer die eigenen Grenzen sprachlich nicht mehr verteidigen kann, braucht sogar einen besonders achtsamen Umgang mit diesen Grenzen.

Die Würde eines Menschen hängt nicht davon ab, wie klar er sie noch einfordern kann.

Vertrauen entsteht aus Erinnerung – aber auch aus Gefühl

Menschen mit Demenz vergessen möglicherweise, was am Vortag geschehen ist. Trotzdem können Erfahrungen eine emotionale Spur hinterlassen. Ein Mensch erinnert sich vielleicht nicht bewusst an eine schwierige Körperpflege, kann aber beim nächsten Gang ins Badezimmer bereits angespannt reagieren. Ebenso kann sich über viele ruhige Erfahrungen ein Gefühl von Sicherheit entwickeln, auch wenn der Betroffene diese Erfahrungen nicht mehr erzählen könnte.

Gerade deshalb ist Kontinuität so wertvoll. Eine vertraute Betreuungskraft kennt Reaktionen, Vorlieben und Grenzen. Sie weiß vielleicht, dass ein Mensch beim Haarewaschen nervös wird, beim Waschen am Waschbecken aber ruhig bleibt. Sie kennt Worte, die gut verstanden werden, und weiß, wann Schweigen besser ist. Sie merkt, wenn der heutige Tag nicht der richtige für einen bestimmten Ablauf ist.

Das lässt sich nicht vollständig in einer Anleitung festhalten. Es entsteht aus Beziehung, Beobachtung und Zeit.

Und genau deshalb ist gute Demenzbetreuung so viel mehr als die korrekte Ausführung pflegerischer Tätigkeiten.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie setze ich die Körperpflege durch?

Wenn Körperpflege immer wieder schwierig wird, würde ich deshalb nicht zuerst fragen, wie man den Widerstand überwinden kann. Ich würde genauer hinschauen und fragen: An welchem Punkt verändert sich die Stimmung? Wann kommt Angst auf? Welche Berührung wird abgelehnt? Welche Tageszeit funktioniert besser? Gibt es Schmerzen? Fühlt sich der Mensch bloßgestellt? Ist der Ablauf zu schnell? Wird zu viel gleichzeitig verlangt?

Nicht immer findet man eine eindeutige Antwort. Demenz bleibt manchmal unverständlich, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen. Trotzdem verändert bereits diese Haltung den Umgang. Man begegnet einem Menschen nicht mehr als jemandem, der die Pflege „schwierig macht“, sondern als jemandem, der mit den ihm noch zur Verfügung stehenden Mitteln auf eine schwierige Situation reagiert.

Dieser Unterschied ist nicht nur sprachlich.

Er verändert die Beziehung.

Nach 25 Jahren in der häuslichen Seniorenbetreuung habe ich immer wieder erlebt, dass Angehörige sehr viel leichter mit schwierigen Verhaltensweisen umgehen können, sobald sie darin nicht mehr bloß Ablehnung sehen, sondern eine mögliche Botschaft. Nicht jedes Verhalten lässt sich lösen und nicht jeder Konflikt vermeiden. Aber wenn wir anfangen, uns zu fragen, was der Mensch möglicherweise empfindet, statt nur darüber nachzudenken, wie wir eine Aufgabe zu Ende bekommen, verändert sich etwas Entscheidendes.

Dann steht nicht mehr die Dusche im Mittelpunkt.

Dann steht wieder der Mensch im Mittelpunkt.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke, den ich Angehörigen in solchen Situationen mitgeben möchte: Ein Mensch mit Demenz verliert im Verlauf seiner Erkrankung sehr vieles. Orientierung, Erinnerungen, Fähigkeiten, manchmal auch die Sprache, mit der er seine Wünsche und Grenzen früher selbstverständlich ausdrücken konnte. Sein Recht darauf, dass sein Körper mit Respekt behandelt wird, verliert er nicht.

Gerade dort, wo er sich selbst nicht mehr erklären oder verteidigen kann, braucht er Menschen, die diese Würde für ihn mit schützen.

Ihre Elke Hanak

Elkine-Seniorenbetreuung – erfahrene häusliche 24 Stunden Seniorenbetreuung und Demenzbetreuung in ganz Deutschland

Hinweis: Neu auftretende oder deutlich zunehmende Abwehr bei der Körperpflege, ungewöhnliche Berührungsempfindlichkeit, Schmerzen oder andere körperliche Veränderungen sollten ärztlich abgeklärt werden. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder medizinische Abklärung.