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  • 1 Deutsche 24 Stunden Pflege und Betreuung
    Deutsche und deutschsprachige Kräfte – seit 25 Jahren
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    Vertraute Betreuung durch gleichbleibende Bezugspersonen
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24 Stunden Pflege - deutsche & deutschsprachige Kräfte.

Deutsche 24 Stunden Betreuung bundesweit – 25 Jahre Erfahrung – zwei gleichbleibende Kräfte

Schuldgefühle in der Pflege – wenn man das Gefühl hat, es nie richtig machen zu können

Warum pflegende Angehörige sich oft schuldig fühlen, obwohl sie längst mehr tragen, als Außenstehende sehen

Schuldgefühle gehören zu den stillsten Begleitern einer Pflegesituation. Man sieht sie einem Angehörigen nicht unbedingt an, und oft spricht er lange nicht darüber. Nach außen funktioniert der Alltag. Die Mutter ist versorgt, der Vater hat seine Medikamente, der Arzttermin ist organisiert und am Wochenende wird eingekauft. Innerlich läuft aber ein ganz anderes Gespräch. War ich heute zu kurz angebunden? Hätte ich länger bleiben müssen? Warum war ich erleichtert, als jemand anderes übernommen hat? Darf ich mich überhaupt über einen freien Nachmittag freuen, wenn meine Mutter gleichzeitig so viel Hilfe braucht? Viele Angehörige beurteilen sich selbst mit einer Härte, die sie keinem anderen Menschen zumuten würden, und gerade darin liegt für mich eines der großen Probleme. Sie sehen sehr genau, wo sie ihrer eigenen Vorstellung von guter Pflege nicht entsprechen, aber kaum noch, was sie Tag für Tag leisten und unter welchen Bedingungen sie das tun.

Nach 25 Jahren in der häuslichen Seniorenbetreuung habe ich immer wieder erlebt, dass Schuldgefühle nicht dort am stärksten sind, wo Menschen gleichgültig handeln, sondern häufig gerade dort, wo jemand besonders verantwortungsbewusst ist. Wer sich wirklich kümmert, denkt auch viel darüber nach, ob er genug tut. Wer seinen Angehörigen liebt, möchte ihn nicht enttäuschen, nicht verletzen und nichts versäumen. Genau deshalb können schon kleine Situationen eine enorme innere Wirkung bekommen. Eine Tochter antwortet einmal genervt und denkt noch Stunden später darüber nach. Ein Ehemann geht nach einem langen Tag früher ins Bett, während seine Frau noch unruhig ist, und liegt dort mit schlechtem Gewissen wach. Eine Angehörige sagt einen Besuch ab, weil sie selbst einen Arzttermin hat, und fühlt sich danach, als hätte sie ihre Mutter im Stich gelassen. Objektiv mag all das nachvollziehbar sein, innerlich wird daraus trotzdem schnell ein Urteil über die eigene Person.

Ich finde es wichtig, zwischen tatsächlicher Schuld und einem Schuldgefühl zu unterscheiden. Wer bewusst jemanden schlecht behandelt oder eine Verantwortung vernachlässigt, muss sich damit auseinandersetzen. Aber ein schlechtes Gewissen beweist nicht automatisch, dass man etwas falsch gemacht hat. Gerade in der Pflege entsteht Schuld sehr häufig aus Situationen, in denen es überhaupt keine vollkommen gute Lösung gibt. Man entscheidet sich zwischen zwei Dingen, die beide wichtig sind, und egal, welche Seite man wählt, die andere fehlt.

Eine Tochter möchte ihre Mutter möglichst lange selbstständig entscheiden lassen, weiß aber gleichzeitig, dass sie sich zunehmend verirrt. Wenn sie mehr Schutz organisiert, fühlt sie sich schuldig, weil sie Freiheit einschränkt. Lässt sie die Mutter weiter allein gehen, hat sie Angst, ihre Sicherheit zu gefährden. Ein Ehemann möchte die Wünsche seiner Frau respektieren, merkt aber, dass sie Medikamente nicht mehr zuverlässig einnehmen kann. Greift er ein, fühlt es sich bevormundend an. Greift er nicht ein, fühlt es sich verantwortungslos an. Genau in solchen Situationen ist Schuld oft weniger das Ergebnis eines Fehlers als die Folge davon, dass zwei berechtigte Werte miteinander kollidieren.

Diese innere Zerrissenheit wird von außen häufig unterschätzt. Menschen, die nicht täglich in der Verantwortung stehen, können leicht sagen, was sie selbst tun würden. Sie sehen aber nicht immer, dass der Angehörige nicht zwischen gut und schlecht wählt, sondern zwischen zwei unvollkommenen Möglichkeiten. Gerade Demenz stellt Familien immer wieder vor solche Entscheidungen. Selbstbestimmung soll erhalten bleiben, aber Sicherheit darf nicht verloren gehen. Nähe soll bestehen, aber Grenzen müssen geschützt werden. Der Erkrankte soll ernst genommen werden, gleichzeitig kann man nicht jede Entscheidung unverändert ihm überlassen, wenn Verständnis und Urteilsfähigkeit deutlich nachlassen. Wer in diesem Spannungsfeld lebt, wird kaum durch jede Entscheidung mit einem guten Gefühl gehen.

Wenn frühere Versprechen plötzlich schwer auf den Schultern liegen

Viele Schuldgefühle hängen mit Sätzen zusammen, die Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen. Ehepartner haben sich vielleicht versprochen, füreinander da zu sein. Eltern haben einmal gesagt, sie wollten niemals von Fremden versorgt werden. Eine Mutter hat vielleicht schon früher deutlich gemacht, dass sie unter keinen Umständen in ein Heim wolle, und die Tochter hat geantwortet: „Das musst du auch nicht.“ Solche Sätze entstehen oft in Zeiten, in denen niemand wissen kann, wie das Leben später tatsächlich aussehen wird. Wenn dann eine Demenz fortschreitet, die Nächte unruhig werden und der Unterstützungsbedarf immer größer wird, können diese früheren Worte plötzlich eine enorme Macht bekommen.

Ich habe Angehörige erlebt, die sich an einem alten Versprechen festhielten, obwohl die heutige Situation mit der damaligen kaum noch etwas zu tun hatte. Eine Tochter sagte mir einmal sinngemäß, sie könne keine Betreuung ins Haus holen, weil ihre Mutter früher immer gesagt habe, sie wolle keine Fremden um sich. Gleichzeitig war diese Tochter selbst körperlich erschöpft und seit Monaten praktisch jeden Tag im Einsatz. Für sie war Hilfe nicht einfach eine organisatorische Entscheidung. Innerlich fühlte es sich an, als würde sie gegen einen Wunsch der Mutter verstoßen und damit auch gegen ihre eigene Vorstellung von Loyalität.

In solchen Situationen hilft mir immer eine andere Frage: Was wollte dieser Mensch damals eigentlich schützen? Wollte die Mutter wirklich, dass die Tochter Jahre später ihre Gesundheit verliert, damit ja kein anderer hilft? Oder wollte sie vor allem Würde, Vertrautheit und ein Leben im eigenen Zuhause? Vielleicht lässt sich genau dieses tiefere Anliegen viel besser bewahren, wenn Unterstützung organisiert wird. Ein früherer Satz sollte ernst genommen werden, aber er darf nicht zu einem starren Gesetz werden, das jede spätere Realität ignoriert.

Pflege ist dynamisch. Ein Wunsch, der zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnvoll war, kann unter völlig veränderten Bedingungen anders gewichtet werden müssen. Das ist kein Verrat. Es ist die schwierige Aufgabe, frühere Vorstellungen mit der heutigen Wirklichkeit zusammenzubringen. Angehörige dürfen dabei auch ihre eigene Belastbarkeit einbeziehen. Eine Versorgung, die nur funktioniert, solange ein einzelner Mensch sich selbst aufgibt, ist auf Dauer keine tragfähige Versorgung.

Gerade langjährige Ehepartner tun sich damit oft besonders schwer. Sie haben sich Jahrzehnte aufeinander verlassen und empfinden es als selbstverständlich, füreinander einzustehen. Wenn einer von beiden immer mehr Hilfe braucht, entsteht leicht die Vorstellung, der andere müsse nun alles selbst übernehmen. Aber Liebe zeigt sich nicht ausschließlich darin, wie viel ein Mensch persönlich erledigt. Sie kann sich ebenso darin zeigen, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass der Partner zuverlässig begleitet wird, auch wenn dafür andere Menschen mit ins Boot kommen.

Wenn man es plötzlich allen recht machen möchte und dabei selbst verschwindet

Pflege betrifft selten nur zwei Menschen. Wer einen Elternteil unterstützt, hat vielleicht selbst einen Partner, Kinder, einen Beruf und Freundschaften. Wer den Ehepartner pflegt, hat möglicherweise eigene gesundheitliche Probleme, Verpflichtungen und Bedürfnisse. Trotzdem entsteht bei vielen Angehörigen mit der Zeit der Eindruck, sie müssten überall gleichzeitig sein. Wenn sie bei der Mutter sitzen, denken sie an den eigenen Mann zu Hause. Wenn sie einen Abend mit der Familie verbringen, haben sie das Gefühl, beim Vater fehlen zu müssen. Beim Arbeitsplatz kreisen die Gedanken um den nächsten Arzttermin, und wenn sie sich einmal Zeit für sich selbst nehmen, scheint das schlechte Gewissen schon mit am Tisch zu sitzen.

Diese Form der Schuld hat viel mit einem unmöglichen Anspruch zu tun. Ein Mensch kann nicht gleichzeitig allen Bedürfnissen vollständig gerecht werden. Er kann nicht jede Stunde bei der Mutter sein und gleichzeitig uneingeschränkt Partner, Vater oder Mutter, Berufstätiger und Freund bleiben. Trotzdem versuchen gerade verantwortungsbewusste Menschen häufig genau das. Sie reduzieren als Erstes ihre eigenen Bedürfnisse, weil das scheinbar am wenigsten weh tut. Ein Treffen wird abgesagt, ein Hobby aufgegeben, ein eigener Arzttermin verschoben. Für eine Weile funktioniert das, aber irgendwann bleibt kaum noch etwas übrig, das nicht mit Pflege zu tun hat.

Dann entsteht ein weiterer schmerzhafter Effekt: Der Angehörige wird unzufriedener und erschöpfter, fühlt sich aber wiederum schuldig dafür. Statt die Überlastung als logische Folge einer kaum lösbaren Situation zu sehen, deutet er sie als persönliche Schwäche. Er denkt, er müsse besser organisiert, geduldiger oder belastbarer sein. Damit verschiebt sich die gesamte Verantwortung auf ihn selbst, obwohl das eigentliche Problem häufig darin liegt, dass die Anforderungen längst größer geworden sind als das, was ein einzelner Mensch bewältigen kann.

Gerade deshalb halte ich es für wichtig, den eigenen Maßstab einmal anzuschauen. Was erwarten Sie eigentlich von sich? Dass Sie immer freundlich reagieren? Dass Sie jeden Wunsch erfüllen? Dass Sie niemals müde werden? Dass Ihre Familie durch die Pflege möglichst nichts merkt und der Erkrankte trotzdem jederzeit alles bekommt, was er braucht? Wenn man diese Erwartungen einmal laut ausspricht, merkt man oft, wie unrealistisch sie sind.

Eine gute Pflege besteht nicht darin, dass niemand je enttäuscht wird. Sie besteht auch nicht darin, dass jeder Tag reibungslos verläuft. Sie besteht darin, dass ein Mensch sicher, würdevoll und möglichst seinen Bedürfnissen entsprechend begleitet wird und dass die Menschen, die diese Begleitung leisten, dabei nicht vollständig verloren gehen. Dieser Maßstab ist sehr viel menschlicher als die Vorstellung, man müsse alles perfekt machen.

Wenn man die Geduld verliert und sich danach selbst verurteilt

Viele Angehörige kennen Situationen, in denen sie anders reagieren, als sie es sich vorgenommen hatten. Vielleicht wurde die Stimme lauter, weil die gleiche Frage wieder und wieder kam. Vielleicht fiel ein Satz, den man hinterher gern zurücknehmen würde. Vielleicht wurde man ungeduldig beim Anziehen, beim Essen oder beim Zubettgehen. Solche Momente dürfen nicht beschönigt werden, aber sie sollten auch nicht isoliert betrachtet werden.

Mich interessiert in solchen Situationen immer, was ihnen vorausgegangen ist. Wie war die Nacht? Wie lange besteht die Belastung schon? Gibt es jemanden, der regelmäßig übernimmt? Ist der Angehörige selbst gesundheitlich angeschlagen? Gibt es einen bestimmten Zeitpunkt am Tag, an dem die Kraft regelmäßig nachlässt? Ein einzelner ungeduldiger Satz erzählt oft nur den letzten Teil einer viel längeren Geschichte.

Gerade bei Demenz kommt hinzu, dass sich schwierige Situationen wiederholen. Eine Frage kann zehn- oder zwanzigmal gestellt werden, obwohl sie jedes Mal beantwortet wurde. Ein Mensch kann dieselbe Unterstützung immer wieder ablehnen, obwohl sie notwendig ist. Angehörige wissen rational, dass die Erkrankung dahintersteht. Emotional kann die Wiederholung trotzdem zermürben. Wer daraus schließt, er müsse einfach nur noch geduldiger werden, übersieht, dass Geduld ebenfalls eine Ressource ist, die unter Schlafmangel, Daueranspannung und ständiger Verantwortung abnimmt.

Wenn solche Konflikte häufiger werden, sollte deshalb nicht nur über das Verhalten des Angehörigen gesprochen werden. Man sollte sich anschauen, welche Situation verändert werden kann. Vielleicht muss jemand anderes die Körperpflege übernehmen, weil sie zwischen Mutter und Tochter jeden Morgen eskaliert. Vielleicht braucht der Ehepartner nachts mehr Unterstützung, weil die tägliche Übermüdung längst alle anderen Bereiche beeinflusst. Vielleicht sollte eine schwierige Mahlzeit von einer Betreuungskraft begleitet werden, damit nicht jede Essenssituation in denselben Streit mündet. Manchmal ist die beste Reaktion auf ein schlechtes Gewissen nicht mehr Selbstdisziplin, sondern eine andere Organisation.

Das schützt übrigens auch den Menschen mit Demenz. Wenn Angehörige dauerhaft überfordert sind, spürt der Erkrankte häufig die Anspannung, auch wenn er deren Ursache nicht versteht. Unterstützung kann deshalb beiden Seiten guttun. Sie nimmt nicht automatisch Nähe weg, sondern kann verhindern, dass die Beziehung fast nur noch aus Korrektur, Kontrolle und Konflikten besteht.

Warum Erleichterung kein Verrat ist

Eine besonders interessante Form von Schuld erlebe ich häufig dann, wenn Hilfe endlich da ist. Eine Betreuungskraft übernimmt, die Mutter ist gut versorgt, und die Tochter fährt nach Hause. Zum ersten Mal seit Wochen schläft sie eine Nacht durch oder sitzt am Nachmittag mit einer Freundin im Café. Sie merkt, wie gut ihr diese Zeit tut, und genau in diesem Moment meldet sich das schlechte Gewissen. Wie kann ich mich wohlfühlen, wenn meine Mutter mich braucht? Warum bin ich erleichtert, nicht dort sein zu müssen?

Ich finde, darüber wird viel zu wenig gesprochen. Angehörige glauben manchmal, ihre Erleichterung sage etwas über ihre Liebe aus. Tatsächlich sagt sie häufig nur etwas über die vorherige Belastung. Wer seit Monaten kaum eine Stunde wirklich frei war, darf sich darüber freuen, wenn jemand anderes Verantwortung übernimmt. Wer jahrelang jede Nacht auf Geräusche gehört hat, darf tief und ruhig schlafen, wenn er weiß, dass der Partner verlässlich begleitet wird.

Diese Erleichterung nimmt dem Erkrankten nichts weg. Sie macht die Fürsorge nicht weniger wertvoll. Häufig kommt der Angehörige danach sogar mit mehr Kraft zurück. Er ist geduldiger, kann wieder zuhören und erlebt den anderen weniger ausschließlich als Aufgabe. Genau deshalb kann verlässliche Unterstützung eine Beziehung schützen.

Eine Tochter bleibt Tochter, auch wenn jemand anderes das Mittagessen zubereitet. Ein Ehemann bleibt Ehemann, auch wenn eine Betreuungskraft beim Anziehen hilft. Ein Sohn verliert seine Verantwortung nicht, weil er nicht jeden Arzttermin selbst begleitet. Rollen müssen nicht verschwinden, nur weil Aufgaben geteilt werden.

Gerade darin liegt für mich eine der wichtigsten Entlastungen überhaupt: nicht mehr jede Hilfe als moralische Aussage zu verstehen. Hilfe ist zunächst einmal Hilfe. Sie bedeutet, dass eine Aufgabe von mehreren Schultern getragen wird. Erst unser eigener Anspruch macht daraus manchmal die Frage, ob wir genug lieben.

Wenn alte Familiengeschichten im Pflegealltag plötzlich wieder auftauchen

Schuldgefühle entstehen nicht immer erst mit der Pflege. Manchmal bringt die Pflege etwas an die Oberfläche, das viel älter ist. Eine Tochter, die ihr Leben lang um Anerkennung der Mutter gekämpft hat, versucht vielleicht heute besonders perfekt zu pflegen. Ein Sohn, der viele Jahre wenig Kontakt zum Vater hatte, übernimmt plötzlich sehr viel und fühlt sich trotzdem schuldig, weil er glaubt, frühere Versäumnisse wiedergutmachen zu müssen. Eine Ehe, in der es schon lange ungelöste Konflikte gab, wird durch die Erkrankung nicht automatisch konfliktfrei.

Das ist ein Punkt, über den Familien oft nur schwer sprechen. Pflegebedürftigkeit macht einen Menschen verletzlich, aber sie löscht die gemeinsame Geschichte nicht. Wer jahrelang eine schwierige Beziehung hatte, fühlt nicht plötzlich nur noch Wärme, weil der andere nun Hilfe braucht. Trotzdem entsteht gesellschaftlich schnell die Erwartung, dass alte Konflikte jetzt keine Rolle mehr spielen dürften.

Ich halte das für unrealistisch.

Eine Tochter darf Schwierigkeiten mit ihrer Mutter gehabt haben und sie trotzdem gut begleiten. Ein Sohn darf seinem Vater helfen und gleichzeitig wissen, dass ihre Beziehung kompliziert war. Pflege muss nicht dazu benutzt werden, eine ganze Lebensgeschichte nachträglich zu reparieren. Wer versucht, jahrzehntelange Schuld oder ungelöste Konflikte durch totale Aufopferung auszugleichen, verlangt von sich etwas, das die Pflege niemals leisten kann.

Gerade hier kann es sehr hilfreich sein, mit jemandem außerhalb der Familie zu sprechen. Psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung bedeutet nicht, dass jemand mit der Pflege „nicht klarkommt“. Manchmal braucht es schlicht einen Raum, in dem alte Verletzungen und aktuelle Verantwortung getrennt betrachtet werden können. Sonst trägt ein Angehöriger nicht nur die heutige Pflege, sondern gleichzeitig ein ganzes Leben an unerledigten Gefühlen mit sich herum.

Nicht jedes schlechte Gefühl verlangt eine andere Entscheidung

Vielleicht ist das einer der wichtigsten Gedanken zum Thema Schuld: Eine Entscheidung kann vernünftig, verantwortungsvoll und notwendig sein und sich trotzdem schlecht anfühlen. Wir sind im Alltag daran gewöhnt, Gefühle als eine Art inneren Kompass zu betrachten. Wenn sich etwas falsch anfühlt, vermuten wir, dass es falsch sein könnte. In Pflegesituationen funktioniert dieser Zusammenhang häufig nicht.

Eine Tochter kann eine Betreuung organisieren, obwohl sie weiß, dass die Mutter das zunächst ablehnen wird, und sich trotzdem schuldig fühlen. Ein Ehemann kann entscheiden, dass er nachts Unterstützung braucht, obwohl seine Frau früher immer nur ihn an ihrer Seite haben wollte, und dabei das Gefühl haben, sie im Stich zu lassen. Ein Sohn kann nach Hause fahren, obwohl der Vater traurig schaut, und trotzdem wissen, dass er am nächsten Morgen wieder arbeiten muss.

Das unangenehme Gefühl beweist nicht automatisch, dass die Entscheidung falsch war. Manchmal zeigt es nur, dass die Entscheidung etwas kostet.

Wer einen Menschen liebt, empfindet es nicht gleichgültig, wenn er ihm einen Wunsch nicht erfüllen kann. Gerade deswegen kann sich eine notwendige Grenze schmerzhaft anfühlen. Der Schmerz macht die Grenze aber nicht automatisch falsch.

Ich finde diesen Gedanken sehr entlastend, weil er Angehörigen erlaubt, schlechte Gefühle auszuhalten, ohne jedes Mal sofort alles wieder rückgängig machen zu müssen. Man kann ein schlechtes Gewissen haben und trotzdem bei einer sinnvollen Entscheidung bleiben. Man kann traurig sein, dass die Mutter heute enttäuscht ist, und trotzdem nach Hause fahren. Man kann sich unwohl fühlen, weil eine Betreuungskraft übernimmt, und trotzdem erkennen, dass diese Hilfe notwendig geworden ist.

Nicht jedes Schuldgefühl muss aufgelöst werden, bevor man weitergehen darf.

Was ich Angehörigen wirklich sagen möchte

Wenn mir eine pflegende Angehörige am Küchentisch sagen würde, dass sie sich ständig schuldig fühlt, würde ich ihr nicht einfach antworten, sie müsse sich dieses Gefühl abgewöhnen. Ich würde mit ihr anschauen, wofür sie sich eigentlich verantwortlich macht. Muss sie wirklich dafür sorgen, dass die Mutter niemals traurig ist? Kann sie verhindern, dass der Vater Fähigkeiten verliert? Ist es ihre Aufgabe, jede Schwierigkeit der Demenz auszugleichen? Muss sie gleichzeitig perfekte Tochter, Ehefrau, Mutter, Berufstätige und Organisatorin sein?

Oft wird erst im Gespräch sichtbar, wie groß der Bereich geworden ist, für den sich ein Mensch innerlich zuständig fühlt. Er übernimmt nicht nur die Pflege, sondern auch die Gefühle des Erkrankten, die Sorgen der Geschwister, die Erwartungen der Familie und häufig noch die Verantwortung dafür, dass niemand merkt, wie schwer alles geworden ist.

Kein Mensch kann all das tragen.

Deshalb würde ich nicht fragen, ob ein Angehöriger „genug“ tut. Ich würde fragen, ob die Verantwortung, die er übernommen hat, überhaupt noch zu einem einzelnen Menschen passt.

Vielleicht muss nicht mehr Liebe her, sondern mehr Hilfe. Vielleicht muss nicht mehr Geduld her, sondern eine Pause. Vielleicht muss nicht noch ein zusätzlicher Besuch stattfinden, sondern ein offenes Gespräch mit den Geschwistern. Vielleicht braucht es eine verlässliche Betreuung, damit nicht jede Stunde des Tages von einer einzigen Person getragen wird.

Nach 25 Jahren in der häuslichen Seniorenbetreuung habe ich gelernt, dass Schuldgefühle sehr überzeugend sein können. Sie klingen im Kopf wie eine Wahrheit und sind doch oft nur Ausdruck davon, wie ernst ein Mensch seine Verantwortung nimmt. Deshalb sollten wir ihnen zuhören, ohne ihnen automatisch zu gehorchen.

Wenn das schlechte Gewissen sagt: „Du müsstest mehr tun“, darf man durchaus zurückfragen: „Was genau wäre denn genug?“ Wenn darauf keine realistische Antwort kommt, sondern nur immer noch mehr Einsatz, dann ist vielleicht nicht der Angehörige das Problem, sondern der Maßstab, den er an sich selbst anlegt.

Gute Pflege braucht Aufmerksamkeit, Verlässlichkeit und Verantwortung. Sie braucht aber keine Selbstaufgabe. Ein Angehöriger darf Grenzen setzen, Aufgaben teilen und Entscheidungen treffen, die sich nicht vollkommen gut anfühlen. Er darf auch akzeptieren, dass manche Probleme nicht deshalb ungelöst bleiben, weil er zu wenig tut, sondern weil eine schwere Erkrankung das Leben verändert hat.

Gerade diese Erkenntnis kann Schuldgefühle nicht vollständig verschwinden lassen, aber sie kann ihnen ihre Macht nehmen. Man muss sich nicht mehr bei jeder unangenehmen Entscheidung fragen, ob man versagt hat. Man kann sich stattdessen fragen, ob man unter den gegebenen Umständen verantwortungsvoll, respektvoll und menschlich gehandelt hat.

Für mich ist das ein sehr viel gerechterer Maßstab.

Denn pflegende Angehörige sind keine Menschen, die an jedem Tag alles richtig machen müssen. Sie sind Menschen, die in einer schwierigen Lebenssituation immer wieder Entscheidungen treffen, für die es oft keine perfekte Lösung gibt. Sie dürfen sich irren, sie dürfen müde werden und sie dürfen Unterstützung brauchen. Vor allem aber dürfen sie aufhören, jedes schlechte Gefühl automatisch als Beweis dafür zu nehmen, dass sie nicht genug getan haben.

Ihre Elke Hanak

Elkine-Seniorenbetreuung – Ihr vertrauensvoller Partner für die häusliche 24 Stunden Seniorenbetreuung

Wichtiger medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung und ersetzt keine ärztliche, psychologische oder psychotherapeutische Untersuchung, Beratung oder Behandlung. Wenn Schuldgefühle über längere Zeit sehr belastend werden, mit ausgeprägter Niedergeschlagenheit, starken Ängsten, Schlafstörungen, sozialem Rückzug, körperlichen Beschwerden oder anhaltender Hoffnungslosigkeit verbunden sind, sollte professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden. Auch pflegende Angehörige dürfen und sollten ihre eigene psychische und körperliche Gesundheit ärztlich abklären lassen. Wenn die Sorge besteht, sich selbst oder einem anderen Menschen etwas anzutun oder in einer belastenden Pflegesituation die Kontrolle zu verlieren, ist unverzüglich professionelle beziehungsweise notfallmedizinische Hilfe erforderlich.